Urteile: Kosten für behindertengerechten Umbau steuerlich absetzbar

Müssen Immobilieneigentümer ihr Haus oder ihre Wohnung aufgrund der Behinderung eines Familienmitglieds umbauen, können sie die Kosten dafür als außergewöhnliche Belastungen steuerlich geltend machen.

 

Zwei Urteile des Bundesfinanzhofs (AZ: VI R 7/09 und VI R 16/10) haben dies klargestellt.

Im zweiten Streitfall hatten die Kläger ein von Geburt an schwerbehindertes Kind. Sie erwarben im Jahr 2005 ein bebautes Grundstück zu einem Kaufpreis von 30.000 Euro und ließen das Gebäude für 193.800 Euro umbauen und modernisieren. In der Einkommensteuererklärung für das Jahr 2006 gaben die Kläger rund 30.000 Euro, in der für das darauffolgende Jahr rund 4.000 Euro der Umbaukosten für das Zimmer des behinderten Kindes als außergewöhnliche Belastungen an. Das Finanzamt akzeptierte dies nicht, Einspruch und Klage der Eltern hatten ebenfalls keinen Erfolg. Das zuständige Finanzgericht begründete die Ablehnung damit, dass die Kläger durch den Umbau einen Gegenwert erhalten hätten. Dagegen gingen die Kläger in Revision. Der Bundesfinanzhof hob schließlich am 24.02.2011 das Urteil des Finanzgerichts auf und kam zu dem Schluss, dass die Mehraufwendung der Kläger als außergewöhnliche Belastungen doch absetzbar seien. Zum einen handele es sich dabei um größere Aufwendungen, als sie der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie gleichen Familienstandes erwachsen, zum anderen stünden die Betroffenen unter dem Gebot der sich aus der Situation ergebenden Zwangsläufigkeit, sodass die Erlangung eines etwaigen Gegenwerts in Anbetracht der Gesamtumstände regelmäßig in den Hintergrund trete.

 

Welche Kosten sind absetzbar?

Aus den Urteilen des BFH ergibt sich für Steuerzahler, die einen behindertengerechten Umbau vornehmen lassen, die Möglichkeit einige Tausend Euro zu sparen. Aufgrund der für den Umbau entstehenden hohen Kosten überschreiten sie in der Regel allein dadurch den zumutbaren selbst zu tragenden Anteil der außergewöhnlichen Belastungen. Hinzugerechnet werden können dann noch die im selben Jahr für Medikamente oder Pflege anfallenden Ausgaben. Und: Voraussetzung, um die Kosten geltend zu machen ist nicht, dass die Behinderung auf einem unvorhersehbaren Ereignis beruht, welches ein schnelles Handeln des Betroffenen oder der Angehörigen erforderlich macht. Auch zumutbare Handlungsalternativen zu dem Umbau sind nicht von Relevanz.

 

Absetzbar sind alle Kosten für die alters- und behindertengerechte Ausstattung des Hauses oder der Wohnung, und zwar sowohl im Rahmen eines Neubaus als auch einer Altbaumodernisierung sowie beim Umbau eines selbstgenutzten Eigenheims oder einer Mietwohnung. Dies gilt beispielsweise für folgende Maßnahmen:

  • Anbau einer Rollstuhlrampe
  • barrierefreier Hauszugang
  • Verbreiterung der Garage
  • Einbau eines Treppenlifts
  • Umbau in ein behindertengerechtes Badezimmer
  • Einbau einer Sitzbadewanne mit Wannentür
  • Umbau eines ebenerdigen Raums in ein Schlafzimmer
  • rollstuhlgerechte Verbreiterung der Türen
  • Einbau einer schwellenfreien Terrassentür
  • Einbau niedrigerer Fenstergriffe
  • usw.

 

Abziehbar sind grundsätzlich nur die Ausgaben, die ausschließlich durch eine Krankheit oder Behinderung begründet sind. Diese sind also von den steuerlich nicht relevanten Umbaukosten abzugrenzen. Wer seine Ausgaben geltend machen möchte, muss zudem bedenken, dass der Fiskus beim Umbau keine Luxusausfertigungen anerkennt, sondern nur den üblichen Standard. Begründet liegt dies darin, dass bei einer Luxusvariante die medizinische Notwendigkeit nicht im Vordergrund liegt. Erkennt das Finanzamt die angegebenen Kosten nicht als außergewöhnliche Belastungen an, sollte der Steuerzahler Einspruch dagegen einlegen und auf die oben genannten Urteile verweisen. Eine Klage vor dem Finanzgericht hat aufgrund der neuen BFH-Rechtssprechung gute Erfolgschancen.