Selber bauen: Selbstbau als Chance für die Nachhaltigkeit

Trendstudie: Zukunftsfit Bauen und Wohnen, Ausgabe #3

Selber bauen spart Geld, bringt Freude und lässt sich heute individueller auf eigenes Können und Bedürfnisse anpassen denn je. In der aktuellen Studie erfahren Sie, wie innovative Systeme im Selbstbauprinzip Wohnraum leistbarer und kreativer macht.

Das Wichtigste zusammengefasst

Selber bauen spart Geld, bringt Freude und lässt sich heute individueller auf eigenes Können und Bedürfnisse anpassen denn je.

Open-Source-Ansätze und Baukastensysteme: 2021 hält Konzepte bereit, die das Selbstbauen für alle zugänglich machen. Auch in urbanen Kontexten ermöglichen innovative Systeme das Selbstbauprinzip. So wird Wohnraum leistbarer und der Gestaltungsspielraum wächst. Die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.000 Personen (Online, August 2021) zeigen:

  • Kostenersparnis und die Umsetzung eigener Ideen sind bei mehr als drei Viertel der Befragten die zentralen Motive beim Selbstbau. Gleich danach kommt der direkte Einfluss auf die Qualität.
  • 69 Prozent der Befragten haben Freude am Heimwerken. In der jüngeren Generation ist diese noch ausgeprägter als bei Älteren.
  • 65 Prozent verbrachten während der Corona-Pandemie mehr Zeit mit dem Handwerken.
  • 75 Prozent verfügen über ein soziales Netzwerk, das beim Eigenbau mitanpacken könnte. Familie, Freunde und Bekannte gelten als wichtige Bedingung bei Selbstbau-Projekten.
  • 26 Prozent der Befragten würden beim eigenen Hausbau helfen, auch wenn sich die Kostenersparnis in Grenzen hält.

Die Eigenleistung ist eine wesentliche Strategie, um das eigene Haus oder die eigene Wohnung leistbar zu machen und den Wohnraum an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.

Inhalt:

Strategie und Hintergründe

Selbstbau als Chance für die Nachhaltigkeit

„Wohnbauprojekt „Grundbau-und-Siedler“
Ein Grundgerüst, zwölf Ansätze: Das Wohnbauprojekt „Grundbau-und-Siedler“ hat sich mit seinem Prototypen in Hamburg Wilhelmsburg auf neue Wege gewagt. Die zwölf Einheiten des mehrgeschossigen Grundgerüsts werden von jeder Käuferin und jedem Käufer, mitsamt Fassade, selbst ausgebaut. Das schafft nicht nur leistbares Wohnen, sondern auch Gestaltungsspielraum für Bewohner/-innen – bel.cx (Fotocredit: Foto: Veit Landwehr)
„Ytong Bausatzhaus“
Mit einem „Ytong Bausatzhaus“ ist energieeffizientes Bauen auch auf eigene Faust machbar. Das einst in Schweden entwickelte Material Ytong ist nichts anderes als Porenbeton, der Wärme sehr gut speichern kann. Zusätzliche Dämmstoffe braucht dieser Massivbau nicht. Auf diese Weise ist auch das Selbstbauen besonders einfach möglich. - ytong-bausatzhaus.de (Fotocredit: Ytong Bausatzhaus GmbH)

Der Traum vom Eigenheim wird immer mehr zur Kostenfrage. Eigenleistung ist und bleibt eine wesentliche Strategie, um Bauen und Sanieren leistbar zu machen. Was neu ist: Innovative Konzepte ermöglichen das Bauen in Eigenregie für fast jedes Wohnbedürfnis, egal ob auf dem Land oder in der Stadt. Spezielle Bauweisen lassen auch Menschen mit mehr Schreibtisch- als Baustellen-Erfahrung erfolgreich und effektiv Hand anlegen.

Die eigenen Voraussetzungen entscheiden dabei darüber, welches Selbstbau-Konzept am besten passt. Bei Mitbauhäusern wird unter Anleitung von Profis selbst mit angepackt. Kosten können bis zu 30 %, im Extremfall bis zu 50 %, reduziert werden. Mit modularen Systemen und Open-Source-Ansätzen lässt sich auch die Planung weitgehend selbst bewerkstelligen. Das Sanieren gelingt mit dem Coaching vom Fachmann sicherer und leichter.

Wer selber baut, baut nachhaltiger. Ökologische Bauweisen werden im Selbstbau deutlich leistbarer. Spezielle Baukasten-Systeme erlauben zudem leicht den nachträglichen Umbau, sollten sich die Bedürfnisse mal ändern. Außerdem stärkt die Arbeit am Bau nachhaltig Selbstbewusstsein, persönliche Fähigkeiten und soziale Netzwerke. Und: Wer selbst baut, baut tendenziell nur, was wirklich gebraucht wird – und erhält es besser für kommende Generationen.

[SI-MODULAR]-Gebäudebaukästen
Selbstbau geht auch (fast) ohne Werkzeug: Die Holz-Bauteile der [SI-MODULAR]-Gebäudebaukästen werden durch ein Stecksystem zusammengefügt. Ein Hammer ist alles, was man für den Aufbau braucht. – si-modular.net (Fotocredit: STELLINNOVATION GMBH)

Darum ist „Selberbauen“ zukunftsfit

Kostenersparnis durch Eigenleistung: Wer beim Hausbau mit anpackt, spart Baukosten. Selbstbauen macht den Traum vom Haus damit auch fürs kleine Budget zugänglich.

Individuell angepasst: Die Do-it-yourself-Strategie ist die beste, um Unnötiges wegzulassen. Denn wer selbst mit Hand anlegt, baut eher auf den eigenen Bedarf zugeschnitten.

Gemeinschaft entsteht: Wer selber baut, baut nie allein. Das schafft soziale Netzwerke und tragfähige Beziehungen.

Autarkes Wohnen: Selbstbauer/-innen kennen jeden Winkel in ihrem Heim. Sie wissen, wann was zu tun ist und sind bei der Instandhaltung unabhängiger von Dritten.

Vorsorge statt Verschleiß: Wer bei Bau oder Sanierung selbst Hand anlegt, sorgt besser für den eigenen Grund und Boden. Gebäude bleiben so erwiesenermaßen auch für nachfolgende Generationen besser erhalten.

Befragungsergebnisse

Viel Freude am Heimwerken

  • 69 Prozent der Befragten verbringen (eher) gern Zeit mit Heimwerken und damit, Dinge selbst zu bauen oder zu reparieren.

  • 31 Prozent können Heimwerk-Tätigkeiten (eher) nichts abgewinnen.

  • Jüngere Generationen sind dem Heimwerken gegenüber deutlich aufgeschlossener als ältere. 76 Prozent der 20 bis 35-Jährigen geben an, gern Dinge selbst zu bauen, jedoch nur 65 Prozent der 50 bis 69-Jährigen.

77 % der Befragten, die in einem Haus wohnen, geben an, gerne zu heimwerken. Unter den Befragten in Wohnungen sind es 65 %.


Mehr Zeit für Heimwerken durch Corona

  • 65 Prozent der Befragten verbrachten während der Pandemie mehr Zeit mit Heimwerken.

  • Für 26 Prozent der Befragten bedeutete Corona allerdings weniger Zeit dafür.

  • Jüngere Generationen nutzten die Zeit der Pandemie stärker zum Heimwerken als ältere Generationen. 74 Prozent der 20 bis 35-Jährigen verbrachten mehr Zeit mit dem Hobby, während dies nur auf 57 Prozent der 50 bis 69-Jährigen zutrifft.

73 % der befragten Hausbewohner/-innen verbrachten mehr Zeit mit DIY. Unter Wohnungsbewohner/-innen sind es 60 %.


Selbstbauen: günstiger und kreativer

  • Das stärkste Motiv, selbst zu bauen oder zu sanieren, ist der Preis: 87 Prozent der Befragten geben die „kostengünstige Umsetzung“ als relevant an.

  • Das zweit-relevanteste Motiv ist, die eigene Kreativität einzusetzen. Für 84 Prozent ist die „Umsetzung eigener Ideen“ ein relevanter Grund, selbst zu bauen.

  • Weitere relevante Gründe sind u. a. der direkte Einfluss auf die Qualität der Arbeit sowie die Unabhängigkeit von anderen Handwerker/-innen. Die Arbeit auf der eigenen Baustelle als Ausgleich zur Schreibtischarbeit ist hingegen weniger relevant.

80 % der Frauen finden es relevant, dass sie beim Selbstbauen mehr direkten Einfluss auf die Qualität der Arbeit haben. Unter Männern liegt dieser Anteil bei 69 %.


Ältere haben Zeit, Jüngere das Netzwerk

  • Woran es am wenigsten mangelt, ist die Freude am Selbstbauen: 80 Prozent der Befragten sagen, diese sei vorhanden.

  • Zeit und Zugang zu Maschinen, Werkzeug und Material sind die knappsten Ressourcen. 64 bzw. 63 Prozent geben an, diese seien bei ihnen vorhanden.

  • Jüngere Befragte bringen die besseren Voraussetzungen mit, wenn es um Freude am Selbstbauen und das Netzwerk geht. Ältere Befragte punkten mit Können, Zeit und Zugang zu Hardware.

85 % der Frauen bringen Freude an der Eigenleistung mit. Unter den Männern sind es nur 74 %.


Viel Zuspruch bei der Mitarbeit

  • 26 Prozent der Befragten würden auch bei geringer Kostenersparnis am Bau mitarbeiten.

  • 7 Prozent würden um kein Geld der Welt auf der Baustelle werken.

  • Für den größten Anteil (28 Prozent) ist die Bedingung, eine beträchtliche Kostenersparnis von einem Viertel bis zur Hälfte erzielen zu können.

33 % der Befragten, die auf dem Land leben, würden auch ohne große Ersparnis am Bau mitarbeiten. Unter Stadtbewohner/-innen sind das nur 24 %.


Good Practices

Planung dank Open-Source

WikiHouse Gebäudeproduktion digitaler Bauplan

Baupläne und Know-How sind für vernetzte Selbstbau-Fans leicht verfügbar – dank des Internets. Den Möglichkeiten beim Bauen in Eigenregie sind dadurch weniger Grenzen gesetzt.

„WikiHouse“ bringt den Open-Source-Ansatz in die „Gebäudeproduktion“: Eine Reihe von digitalen Plänen stehen Internetnutzer/-innen auf der Plattform kostenlos zur Verfügung.

Die Bauteile selbst werden dann von lokalen Produktionsbetrieben gefertigt – oder auf der eigenen CNC-Fräse ausgeschnitten. Die Montage nach dem Bausatzprinzip ist für den Eigenbau ausgelegt und damit wie gemacht für Selbstbau-Fans. – wikihouse.cc

„WikiHouse Montage nach dem Bausatzprinzip
Fotocredit: WikiHouse / OSL

Selber bauen, trotz Wind und Wetter

TEXT
Robert Lichtveldt

Wer selber baut, weiß das: Wetterlagen können den Zeitplan aufder Baustelle ziemlich durcheinander bringen. Vor allem für Selbstbau-Neulinge eine Herausforderung. Innovative Konzepte haben es nun geschafft, den Selbstbau wetterunabhängig zu ermöglichen.

Eines davon ist das modulare Baukastensystem „Vivihouse“:Ein Selbstbau-Konzept, das auf den städtischen Kontext zugeschnitten ist. Bewohner/-innen können sich damit ihr Haus individuell zusammenstellen und die Einzelteile selbst in der Fertigungshalle herstellen.

Angeleitet von Profis entstehen so – geschützt vor Wind und Wetter – Häuser mit bis zu sechs Stockwerken in Holzskelettbauweise.

Langlebig ist das Konzept zudem: Die Einzelteile können wieder demontiert und an einem anderen Ort aufgebaut werden. – vivihouse.cc

„WikiHouse
Fotocredit: Robert Lichtveldt

Ausbau-Training für Selbermacher/-innen

DIY Academy
Fotocredit: DIY Academy, Living Haus

Geteiltes Know-How hilft nicht nur in der Planungs- und Bauphase. Auch der Ausbau gelingt auf eigene Faust mit Tipps und Tricks vom Experten/von der Expertin.

Einen Beitrag dazu leistet die „DIY-Academy“:
Die Plattform hat es sich zur Aufgabe gemacht, Selbermacher/-innen mit dem nötigen Fachwissen auszurüsten. Das passiert nicht nur digital im Netz – Heimwerker/-innen können sich sogar zu Hause von einem/einer DIY-Trainer/-in beraten, anleiten und begleiten lassen.

Neben Mitmach-Kursen in Baumärkten gibt es auch laufend kostenlose Online-Seminare zu Themen im Bereich Fertigstellung und Innenausbau. Seit 2015 besteht eine Kooperation mit „Living Haus“: Wer dort ein Fertighaus kauft, bekommt ein Drei-Tages-Coaching für den Innenausbau mit dazu. – diy-academy.eu

„DIY Academy
Fotocredit: DIY Academy, Living Haus

Expertentipps

Das rät der Experte


„Kennen Sie Ihre Motive und wählen Sie das System danach aus.“ Nikolas Kichler


Nikolas Kichler
Nikolas Kichler Architekt und Mitbegründer des modularen Bausystems „vivihouse“, das den Selbstbau auch im urbanen Raum möglich macht – vivihouse.cc (Fotocredit: Robert Lichtveldt)
  • Eigene Motive erkennen: Wesentlich für die Entscheidung für ein bestimmtes Selbstbau-Konzept ist, die eigene Motivation zu kennen. Geht es mir rein um die Kostenersparnis, ist das System Mitbauhaus ideal. Ich baue mit und spare dadurch Geld – die klassische Muskelhypothek. Andere wollen kreativ sein, arbeiten gern mit besonderen Materialien oder haben besondere Bedürfnisse. Im Selbstbau können so Dinge entstehen, die es am Markt nicht gibt. Wieder andere machen sich mit dem DIY-Konzept das energieeffiziente, oder kreislauffähige Haus erschwinglich. Welches System das richtige für mich ist, weiß ich erst, wenn ich mir meine Motive bewusst mache.

  • Verantwortung abgeben, wo es sinnvoll ist: Am Anfang jeden Selbstbau-Projekts steht die Frage der Machbarkeit: Was kann ich selbst und wo brauche ich Hilfe? Eine gesunde Selbsteinschätzung ist dafür eine gute Grundlage. Wer vorab schon Bauerfahrung hat, bringt diese ohnehin mit. Je nach eigenen Fähigkeiten, Zeit und Budget wird dann schnell klar, wofür man am besten auf das Know-How von Profis zurückgreift. Dafür sollte außerdem ein Budget-Plus eingeplant werden: Sollte der Zeitplan nicht aufgehen und der Winter vor der Tür stehen, kann man sich den Rest immer noch von Profis fertigbauen lassen.

  • Zuerst planen und organisieren – erst dann machen: Ein gutes Projektmanagement ist auch beim Selbstbauen und Sanieren entscheidend: Welche Werkzeuge und Materialien muss ich besorgen? Wie viele Helfer/-innen brauche ich und an welchen Tagen? Bleibt ein Detail unbedacht, kann das schnell einen Tag auf der Baustelle kosten. Wichtig ist daher, sich im Vorfeld ausreichend Gedanken zu machen und einen Zeitplan zu haben, der Puffer berücksichtigt. Das hält auch die Gemeinschaft auf der Baustelle bei Laune.

Über diese Studie

Über die Trendstudie „Zukunftsfit Bauen und Wohnen“

Die eigene Wohnung, das eigene Haus – das ist immer noch der Lebenstraum für viele. Aber die Umstände ändern sich oft schneller als der erste Grundriss. Lebensplanung braucht heutzutage die Bereitschaft, flexibel zu sein. Jeder, der ein Haus baut oder eine Wohnung kaufen will, kennt das. Corona ist dafür ein Beispiel, das uns alle betrifft. Damit es uns gut geht, sollten wir das neue Zuhause mit Rücksicht auf Umwelt und Gesellschaft bauen. Und schließlich sollen die eigenen vier Wände Freiheit bringen und kein finanzielles Bauchweh. Es gibt also viele Punkte, auf die man achten muss.

Deshalb stellt der unabhängige Immobilienkreditvermittler Baufi24 im Rahmen der Trendstudie „Zukunftsfit Bauen und Wohnen“ in insgesamt sieben Ausgaben Trends, Bedürfnisse und Strategien für die Zukunft vor. Denn vorausschauend zu bauen und zu wohnen bedeutet eine höhere Lebensqualität für sich selbst und mehr Freude an den eigenen Entscheidungen. Zudem ist es nachhaltig für Gesellschaft und Umwelt. Einen Überblick über alle Studien finden Sie hier: Baufi24 Studien.

Kontakt

Anna Friedrich
Senior Manager PR & Unternehmenskommunikation
E-Mail: a.friedrich@baufi24.de
Telefon: +49 (151)-18600747

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