0 Treffer

Immobilien: Miteigentümer einer Wohnungsgenossenschaft werden

Sie haben eine lange Tradition – die ersten Wohnungsgenossenschaften wurden bereits vor 140 Jahren gegründet. Die Idee hinter dieser Wohnform besteht darin, dass sich viele Personen mit dem Ziel zusammenschließen, gemeinsam zu wirtschaften und der Gemeinschaft eine verlässliche und bezahlbare Wohnungsversorgung bereitzustellen. Um dies zu gewährleisten wird der Wohnungsbestand entsprechend den Bedürfnissen der Mitglieder angepasst und verwaltet.

 

Mitglieder sind Miteigentümer

Genossenschaften stellen eine Alternative zu herkömmlichen Mietwohnungen, aber auch zu Wohneigentum dar. Die Mitglieder sind Miteigentümer an dem Wohnungsbestand und verfügen deshalb über einen besonderen Status, der einen großen Vorteil mit sich bringt: Statt eines Mietvertrags schließen die Mitglieder einen Nutzungsvertrag ab, den sie ganz normal kündigen können. Von Seiten der Genossenschaft ist der Vertrag jedoch nur zu kündigen, wenn das Mitglied gegen wichtige Klauseln verstößt, beispielsweise indem es die Miete nicht zahlt. Eine Kündigung wegen Eigenbedarfs muss der Wohnungsnutzer also nicht befürchten.

 

Eine Genossenschaft besteht aus ihren Mitgliedern, sie ist eine demokratische Unternehmensform und basiert auf den Prinzipien Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung. Die Mitglieder wählen alle fünf Jahre Vertreter und Vertreterinnen in die Vertreterversammlung. Diese wiederum wählt den Aufsichtsrat und überprüft bei der jährlichen Vertreterversammlung die Arbeit und Geschäftspolitik des Vorstands und des Aufsichtsrates. Der Vorstand leitet die Genossenschaft, er wird vom Aufsichtsrat bestellt und in seiner Arbeit begleitet.

 

Wie wird man Mitglied?

Um Mitglied zu werden, muss man einen Pflichtanteil zeichnen. Dessen Höhe bestimmt jede Genossenschaft eigenständig, er kann stark variieren. Bei manchen Genossenschaften fallen mehrere 100 Euro an, bei anderen bis zu 10.000 Euro. In der Regel liegt der Pflichtteil bei erst seit Kurzem existierenden Genossenschaften, die noch Immobilien anschaffen müssen, höher. Hat der Mitgenosse seinen Anteil gezeichnet, bedeutet dies jedoch noch nicht automatisch, dass er sofort eine Wohnung angeboten bekommt. Stattdessen fällt meist erst einmal eine Wartezeit an, deren Dauer von der regionalen Wohnungslage abhängt. Wer eine Wohnung sucht, sollte deshalb gegebenenfalls einige Monate vor dem akuten Bedarf der Genossenschaft beitreten. Ist dann das passende Objekt gefunden, muss das Mitglied weitere Anteile – entweder abhängig von der Wohnungsgröße oder der Zimmerzahl – erwerben. Diese werden von der Genossenschaft verzinst, zum Teil beträgt sogar mit vier Prozent.

 

Wenn die Mitgliedschaft endet

Tritt das Mitglied aus der Gemeinschaft aus, erhält es seine Anteile innerhalb von sechs Monaten zurückerstattet. Gegebenenfalls kann die Genossenschaft aber von diesem Guthaben zuvor noch bestehende Ansprüche abziehen. Außerdem gilt: Die Auszahlung der Anteile erfolgt nach § 8a des Genossenschaftsgesetzes. Diesem zufolge darf, sollte das Mindestkapital der Genossenschaft durch Auszahlung von Genossenschaftsanteilen unterschritten werden, diese die Zurückerstattung auf unbestimmte Zeit aussetzen. Dann erhält das ehemalige Mitglied sein Geld also erst, wenn sich die wirtschaftliche Situation der Wohnungsgenossenschaft wieder verbessert hat. Im Falle der Insolvenz wäre der Betrag aus den Anteilen verloren. Worauf sollte man achten, um sich vor solchen Vorkommnissen zu schützen? Zum einen lässt sich – vor dem Eintritt – die finanzielle Lage der Genossenschaft am Zustand der Häuser und Wohnungen sowie an der Vermietungsrate erkennen. Und auch die letzten Protokolle der Mitgliederversammlung oder die Bilanz geben näheren Aufschluss darüber – diese kann sich der Interessent vor Vertragsabschluss vorlegen lassen. Zudem sollte die Satzung keine Regelung enthalten, nach der die Mitglieder im Falle einer Insolvenz über ihre Anteile hinaus Einzahlungen leisten müssten.